Klecks-EL Juni/Juli/August 2024
8 KINDERARMUT Langzeitarbeitslosen sowie ihre Integration in den Arbeits- markt verantwortlich ist“, so Rohde weiter. Alleinerziehende erhalten beispielsweise durch das Jobcenter bereits in der Elternzeit Unterstützung für eine zukünftige Arbeitsaufnahme. „Im Bereich der Alleinerziehenden ist es unter anderem auf- grund der Kinderbetreuung häufig der Fall, dass nur gering- fügige Beschäftigungen oder Teilzeitbeschäftigungen ange- nommen werden können“, sagt Anja Rohde. Die reduzierte Stundenzahl führt in vielen Fällen dazu, dass ergänzende Leis- tungen beantragt werden müssen. „Hier setzen wir mit unserem Alleiner- ziehendenprojekt an. Über dieses Projekt werden die Alleinerziehenden im Bürgergeld früh- zeitig unterstützt.“ Dies können Infor- mationen über Unt er stützungs- möglichkeiten sein, zum Beispiel Leis- tungen aus demBil- dungs- und Teilha- bepaket, die Unterstützung bei der Organisation von Kinder- betreuung, aber auch die schrittweise Heranführung an qualifizierte Beschäftigung. „Bei kinderreichen Familien haben wir insbesondere bei Per- sonen, die imHelfer-Segment beschäftigt sind, häufig die Situ- ation, dass die Beschäftigung nicht bedarfsdeckend ist“, sagt Rohde. Dies liegt in der Regel an geringen Löhnen. Auch hier können Personen, die in Beschäftigung sind ergänzende Leis- tungen wie das Bürgergeld, Wohngeld, Bildung und Teilhabe beantragen. AuchMöglichkeiten für eine Höherqualifizierung, um das Lohnniveau dieser Personen zu erhöhen sind im Ange- bot. Konkret können von Armut betroffene Familien am Bildungs- und Teilhabepaket partizipieren: Über diese Förderung des Bundes erhalten Kinder, deren Familien Sozialleistungen beziehen, Leistungen für die Teilhabe am sozialen und kultu- rellen Leben sowie Bedarfe für Bildung. Diese Leistungen kön- nen über das Jobcenter Emsland in der Regel in den jeweiligen Rathäusern beantragt werden. Sowohl die Leistungssachbe- arbeitung als auch das Fallmanagement weisen aktiv auf diese Unterstützungsmöglichkeiten hin. Dies können Ausflüge oder Klassenfahrten sein, persönlicher Schulbedarf, Schülerbeför- derung, was im Emsland wegen des Emsland Jugendtickets rückläufig ist, Lernförderung, Aufwendungen für Mittagessen in Kita, Schule oder in der Kindertagespflege sowie soziale Teilhabe an Kultur, Sport und ähnlichem. Thomas Wübker Wie wichtig ist Bildung für arme Kinder? Kinder aus armen Familien haben geringere Bildungschancen und erleben im Bildungssystem Benachteiligungen, heißt es in der Studie der Bertelsmann Stiftung. Der Schulstart verläuft demnach seltener regelhaft, sie wiederholen häufiger eine Klas- se, sie haben (außer imFach Sport) schlechtere Noten, erhalten bei gleichen Leistungen seltener eine Empfehlung für das Gym- nasiumund vollziehen seltener einen gelingenden Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstu- fe II. „Bildung ist eine wichtige Grundlage für die gesellschaft- liche und berufli- che Entwicklung einer Person. Eine solide Bildungsbio- graphie ohne unge- plante und negative Brüche ermöglicht einen erfolgreichen Werdegang. Der Landkreis Emsland investiert daher ins- besondere in Bildung“, so Anja Rohde. Im aktuellen Haushalt seien rund 107,6 Mio. Euro für diesen Bereich eingestellt, sagt sie weiter. Die damit finanzierten Leistungen des Landkreises Emsland beinhalten die Förderung von Kindertagesstätten, Kindertagespflege und Familienzentren, damit eine fachliche Kinderbetreuung auch zu Rand- und Ferienzeiten sowie eben- falls Familienberatungen möglich sind. Weiterhin gehören die alltagsintegrierte Sprachförderung durch geschulte Fachkräfte in den Kitas dazu sowie die Bil- dungsregion Emsland, die alle Bildungseinrichtungen mitein- ander vernetzt. Damit werden nahtlose Übergänge ermöglicht und Jugendliche können einen Schulabschluss erreichen, der sie zu einer Ausbildung befähigt. „Darüber hinaus nehmen wir investive Förderungen in die Ausstattung, Sanierung, Instand- setzung und den Ausbau der Schulen, unter anderem auch der Berufsbildenden Schulen, vor, damit die schulische Ausbil- dung im optimalen Rahmen stattfinden kann“, so Rohde. Dafür stehen im laufenden Haushalt des Landkreises Emsland über 31,2 Mio. Euro bereit. Welche Unterstützungs-/Hilfsangebote gibt es im Emsland? „Die materielle Grundsicherung durch Arbeitslosengeld I und Bürgergeld unterliegt der Gesetzgebung des Bundes. Hier haben wir als Kommune keine Gestaltungsräume“, so Anja Rohde. Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es aber im Bereich der Förderung und Betreuung von Kindern, die von Armut betroffen sind. Hier nennt sie als frühe Förderangebote das Beratungsangebot des „Kindernetz“ für Eltern mit Kin- dern sowie alltagsintegrierte Sprachbildung und -förderung für Kinder in den Kitas durch entsprechende Fachkräfte. „Dies ermöglicht Chancengerechtigkeit. „Gestaltungsfreiraum besteht für uns auch als Kommunales Jobcenter (KJC), das für die Betreuung und Förderung von Infos und Kontakte: www.kindernetz-emsland.de www.jobcenter-emsland.de www.emsland.de/leben-freizeit/arbeit-und-soziales/bildung- und-teilhabe
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