Klecks-EL Juni/Juli/August 2024
7 Jedes fünfte Kind in Deutschland ist im Jahr 2022 von Armut betroffen gewesen. Dies geht aus einem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor, der Ende März 2024 veröffentlicht wurde. Mit 21,8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen wurde ein Rekordwert erreicht. Wie viele Kinder im Emsland leben in armen Verhältnissen? Insgesamt sind 14,2 Millionen Menschen in Deutschland sind laut des Berichts des Wohlfahrtsverbands im Jahr 2022 arm gewesen. Das ist eine Quote von 16,8 Pro- zent. Im Vergleich zu 2006 ist die Zahl um 2,7 Millionen gestiegen. Es war dem Ver- band zufolge das Jahr, in dem der Armutstrend begann. Kinderarmut Was tun bei Kinderarmut im Emsland? KINDERARMUT Arm trotz Arbeit A ls „arm“ gilt hierzulande jede Person, die mit ihrem verfügbaren Einkommen unter 60 Prozent des mittle- ren Einkommens liegt. Ein Single-Haushalt ohne Kin- der erreicht die Armutsschwelle demnach etwa bei weniger als 1186 Euro im Monat. Eine Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren als arm, wenn sie weniger als 1542 Euro monatlich zur Verfügung hat. Insbesondere die Gruppe der Alleinerziehenden und Haus- halte mit drei und mehr Kindern sind dem Bericht zufolge „einkommensarm“. Hinzu kommen Erwerbslose, Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie jene mit Migrations- hintergrund, die überproportional betroffen sind. Frauen wei- sen laut Bericht mit 17,8 Prozent eine höhere Armutsquote auf als Männer. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsver- bands, Ulrich Schneider, sagte bei der Vorstellung des Berichts, es sei ein Trugschluss, zu denken, dass nur diejenigen wenig zum Leben hätten, die keiner Arbeit nachgingen. Die Statistik zeige, dass mehr als ein Viertel der 14,2 Millionen Betroffenen erwerbstätig seien, ein weiteres knappes Viertel seien Rentne- rinnen und Rentner. Wie ist der Stand der Kinderarmut im Emsland? „Vertiefende Erkenntnisse zur Armutsgefährdung liefern die amtlichen Daten zu Kindern und Jugendlichen, die Grund- sicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II erhalten“, erklärt Anja Rohde, Pressesprecherin des Landkreises Ems- land. Demzufolge weist der Landkreis Emsland laut der aktu- ellen Studie der Bertelsmann Stiftung zu Kinderarmut mit einem Anteil von 7,7 Prozent (Stand 2022) der Kinder unter 18 Jahren in Familien im SGB II-Bezug niedersachsenweit eine der niedrigsten Quoten auf. Der Landkreis Osnabrück verzeichnet mit 7,3 Prozent die geringste Kinderarmut, den höchsten Wert erreicht die Stadt Wilhelmshaven mit 32,3 Prozent. „Damit bewegt sich der Landkreis Emsland bereits seit Jah- ren auf einem sehr niedrigen Niveau: 2014 wies der Landkreis Emsland mit einer Quote von 7,9 Prozent niedersachsenweit den niedrigsten Wert auf, 2019 mit einer Quote von 7,8 Pro- zent den zweitniedrigsten Wert“, so Rohde. Im Durchschnitt liegt die Kinderarmut in Niedersachsen aktuell bei 14,1 Pro- zent (Stand 2022). Welche Folgen hat Armut für Kinder und Jugendliche? Auf der Grundlage verschiedener Studien kommt die Studie der Bertelsmann Stiftung zu der Auffassung, dass Armut Kin- der und Jugendliche begrenzt, beschämt und ihr Leben bestimmt. Armut begrenzt bedeutet, sie haben seltener einen Rückzugs- ort oder ruhigen Ort zum Lernen Zuhause, sie sind in ihrer Mobilität eingeschränkt (in der Hälfte der Familien im SGB II-Bezug fehlt ein Auto aus finanziellen Gründen), sie besit- zen öfter keinen Computer mit Internet, können aus finan- ziellen Gründen nicht ab und zu neue Kleidung kaufen, sind seltener Mitglied in einem Verein, können kaum etwas mit Freundinnen und Freunden unternehmen, wenn etwas Geld kostet wie zum Beispiel Kino oder Eis, sie erhalten seltener von ihren Eltern Taschengeld, sie können nicht mit der Fami- lie in den Urlaub fahren, sie kommen aus ihrer eigenen Lebenswelt oder ihrem Umfeld nicht heraus, sie können oft nicht mit auf Klassenfahrt fahren und keinen Schulaustausch mitmachen. Durch diese Form der Armut werden Kinder beschämt, was bedeutet, dass sie seltener Freundinnen und Freunde nach Hause einladen als andere Kinder, schlagen Einladungen zum Geburtstag aus, weil sie kein Geschenk kaufen oder selbst keinen Geburtstag feiern können, sie erfinden Ausreden, wenn sie nichts mit Freundinnen und Freunden machen kön- nen, weil sie kein Geld haben, sie werden häufiger ausge- grenzt und erleben Gewalt. Kinder, die in Armut leben, machen sich laut der der Bertels- mann Stiftung häufig Sorgen um die finanzielle Situation ihrer Familie, sie fühlen sich in unserer Gesellschaft unsiche- rer als andere junge Menschen und werden häufiger ausge- grenzt und gehänselt, sie können nicht für die Zukunft spa- ren und haben damit weniger Handlungsperspektiven, sind häufiger von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen, neigen stärker zu riskantem Gesundheitsverhalten wie Bewe- gungsmangel oder Rauchen und leiden häufiger unter sozia- len und psychischen Belastungen.
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