Klecks EL Februar - März 2024
SCHULE 10 ben – Nein Danke!“ In einem Interview mit demDeutschland- funk sagte er, es gebe zwar viele Studien zu Hausaufgaben, aber es gibt keine Studie, die wirklich die Wirksamkeit von Hausaufgaben belegt. „Ich habe dann einfach weiter nachge- forscht, gesucht, auch international geschaut. Es gibt wirklich ganz, ganz wenig dünne Zusammenhänge, die manchmal her- gestellt werden zwischen den Hausaufgaben und dem Lernerfolg.“ Die wirk- lich überwiegende Zahl der Studien und der wis- senschaftlichen Auswer- tungen sage laut Himmel- rath, Hausaufgaben brin- gen nichts, sie sind pädagogischer Unsinn und sie sind so gesehen Zeitverschwendung. „Ich habe immer wieder erlebt, wie das tägliche Üben von Diktaten – zusätzlich zu den täglichen Hausaugaben – Unfrieden und Streit in den Familien auslöste“, so Uchtmann. Auch hilflose Fragen von Eltern hat sie oft gehört: „Was kann ich nur machen? Mein Kind versteht es nicht, macht immer die glei- chen Fehler.“ Man könne sich vorstellen, welche Diskussionen das hervorruft und wie das Selbstvertrauen des Kindes beein- trächtigt wird, sagt Marlies Uchtmann. „Die schulischen Leis- tungen nehmen einen großen Raum imAlltag der Familien ein, das Kind könnte so den Eindruck gewinnen, dass es nur geliebt wird, wenn die schulischen Leistungen stimmen.“ Geduld haben Wiedenbrügge sagt, man solle Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben helfen, wenn der Umfang zu groß ist oder wenn die Gefahr besteht, dass der Frust größer wird als der Lerneffekt. Auf der Internetseite www.schuelerhilfe.de wird empfohlen, Kindern zu helfen, aber nicht die Arbeit für sie zu übernehmen. „Ihr Kind muss die Hausaufgaben selbstständig erledigen – selbst, wenn es Ihnen in den Fingern juckt. Geben Sie Ihrem Kind Hilfestellungen, wenn es sie braucht, aber übernehmen Sie die Arbeit nicht komplett“, heißt es dort. Geduld sei ein wichtiger Faktor für Eltern, um nicht in die Anfertigung der Hausaufgaben einzugreifen, sagt Julius Wie- denbrügge. Viele Eltern würden sich unter Druck setzen, selbst gute Pädagogen sein zu wollen. Er weist nochmal daraufhin, dass Kinder Individuen sind. Manche lernen schon in der Grundschule eigenständig, bei anderen dauert es länger. „Man sollte Kinder fordern, aber nicht überfordern.“ Aus Fehlern lernen Hausaufgaben sind dann sinnvoll, wenn sie dazu dienen, bereits Gelerntes zu intensivieren, heißt es auf www.familie.de. Sie seien jedoch nicht sinnvoll, wenn sie als Bestrafung gedacht sind oder dafür benutzt werden, dass Schüler sich selbst neues Wissen aneignen müssen, heißt es dort weiter. „Die Wissens- vermittlung muss Aufgabe der Schule bleiben.“ Hausaufgaben werden nicht bewertet. Zwar wollen viele Eltern, dass ihre Kinder die Hausaufgaben in der Schule kor- rekt vorlegen. Aber der alte Spruch, dass man aus Fehlern lernt, gilt auch hier. Fehlerhaft angefertigte Hausaufgaben geben der Lehrkraft eine wichtige Rückmeldung darüber, wel- che Inhalte und Arbeitstechniken noch vertieft geübt werden müssen. Dies empfiehlt das niedersächsische Kul- turministerium. Auf des- sen Internetseite heißt es weiter: „Grundschülerin- nen und Grundschüler sollten höchstens 30 Minuten zur Erstellung von Hausaufgaben auf- wenden. Wenn eine Schü- lerin oder ein Schüler an einer Aufgabe so interes- siert ist, dass sie oder er noch daran weiterarbei- ten möchte, ist natürlich eine Ausnahme möglich.“ Ungestörtes Lernen Die Frage, wann Hausaufgaben gemacht werden sollen, sei Typ-abhängig, so Julius Wiedenbrügge. „Manche Kinder müs- sen sich nach der Schule erstmal entspannen, andere wollen gleich loslegen.“ Es sollte jedoch feste Absprachen geben, sagt er weiter. Kontinuierliches Lernen ist besser als zum Beispiel nur vor einer Klassenarbeit, so Wiedenbrügge. „Das ist für einen langfristen Erfolg sinnvoller.“ Er empfiehlt Kindern, in den Abendstunden zu lernen. Dann ist es ruhiger. „Ungestörtes Lernen muss möglich sein“, sagt Wiedenbrügge. Ein gleicher Ort in der Wohnung und Routine sind ebenfalls erstrebenswert, sagt er weiter. „Wenn das gegeben ist, ist die Erledigung der Hausaufgaben möglicherweise weniger ver- krampft.“ Ablenkungen wie Fernsehen, das Handy oder spie- lende Geschwister sollten vermieden werden, wenn das Kind an den Hausaufgaben arbeitet. Idealerweise hat das Kind einen Ort zum Bearbeiten der Hausaufgaben, an dem es aus- schließlich Dinge gibt, die für die Schule sinnvoll sind. Eltern sindVorbilder Trotz angenehmer und ruhiger Arbeitsplätze sowie einem ruhi- gen Umfeld sträuben sich viele Kinder dagegen, die Hausauf- gaben zu erledigen. Es sei aber gut, wenn sie Erfolge haben und sehen, dass selbständiges Arbeiten diese Erfolge bringt, so Wiedenbrügge. „Aber es ist nicht fair, Kindern gute Noten als Erfolge darzustellen“, sagt er und denkt dabei auch an die Misserfolge. Ein kleines Belohnungssystem sei ein kleiner Schritt, um Motivation zu schaffen. Das Eltern immer Vorbilder sind, darauf weist schuelerhilfe.de hin: „Zeigen Sie Ihrem Kind, wie wichtig es ist, regelmäßig und konzentriert zu arbeiten. Verbringen Sie zum Beispiel selbst auch Zeit damit, Ihre eigenen Aufgaben zu erledigen, während Ihr Kind an den Hausaufgaben arbeitet.“ Es ist kontraproduk- tiv, wenn Eltern vor dem Fernseher sitzen, wenn ihr Kind gera- de die Hausaufgaben erledigt.
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