Klecks EL Ausgabe September/Oktober 2023

11 KINDERRECHTE gebe es zum Beispiel Paragraphen für eine gewaltfreie Erzie- hung von Kindern. In ihrer täglichen Arbeit erlebt sie es jedoch häufig, dass Kinder immer noch physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt sind. „Kinder würden endlich als vollwertige Persönlichkeiten res- pektiert und ihre freie Entfaltung wäre verfassungsgemäß geschützt“, antwortet Daniela Rump auf die Frage. Kinder brauchen zusätzliche Förder- und Schutzrechte, sagt sie wei- ter. Deshalb reichen die allgemeinen Grundrechte für Kinder nicht aus. „Über 30 Jahre nach der Verabschiedung der Kin- derrechtskonvention durch die Vereinten Nationen ist dies absolut überfällig.“ Die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz wäre ein Auftrag, alle Gesetze daraufhin zu überprüfen, ob sie den Kin- derrechten gerecht werden, so Rump. Durch Kinderrechte im Grundgesetz würde der Staat stärker in die Pflicht genommen und der Weg zur Verfassungsbeschwerde ermöglicht werden. Kinder würden altersangemessen und systematisch mehr beteiligt werden, bei Angelegenheiten, die sie betreffen. Wer vertritt die Rechte der Kinder? „Als Kinderschutzbund setzen wir uns für den Schutz von Kin- dern vor Gewalt, gegen Kinderarmut und für die Umsetzung der Kinderrechte in Niedersachsen ein. Wir möchten Kinder in einer kinder freundli- chen Gesellschaft aufwachsen wis- sen, in der die geistige, psychi- sche, soziale und körperliche Ent- wicklung von Kin- dern und Jugend- lichen gefördert wird“, so Daniela Rump. Kinder und Jugendliche sollen bei allen Entscheidun- gen, Planungen und Maßnahmen, die sie betreffen, beteiligt werden. Damit mehr Menschen von den Kinderrechten erfahren, macht der Kinderschutzbund sie im Alltag sichtbar: Bundes- weit entstehen auf seine Initiative hin Plätze der Kinderrechte. „Damit setzt der Kinderschutzbund bundesweit ein Zeichen für die Rechte der Kinder und eine kinderfreundliche Gesell- schaft“, sagt Rump. Aktuell gibt es bundesweit 42 Plätze der Kinderrechte. Meppen hat als erste Kommune im Emsland im Juli 2022 neben dem Rathaus einen Platz für Kinderrechte ein- gerichtet. Die deutsche Regierung müsse jedes Jahr einen Bericht an die UN schicken, wie es um die Kinderrechte im Land steht, sagt Barbara Küppers. Dieser Bericht werden von Kinderrechts- Organisationen und terre des hommes kommentiert. „Es gibt Empfehlungen, wie Kinderrechte umgesetzt werden müssen, aber das ist nicht verbindlich.“ Auf lokaler Ebene sind es Orga- nisationen, Vereine, aber auch Kinder und Jugendliche selbst, die ihre Belange anmelden müssen, wenn es um die Umset- zung von Kinderrechten geht, sagt sie weiter. Me p p e n Ha r e n Ha s e l ü n n e H e r z l a ke G e e s t e Tw i s t www. v h s - me p p e n . d e Neues Programm ab sofort online! Wissen Kinder (und Eltern) in Niedersachsen um ihre Rechte? „Bei Kindern gibt es ein Bewusstsein, dass sie wissen, dass sie Rechte haben. Aber es mangelt an der Umsetzung“, sagt Bar- bara Küppers. In den Schulen würden die Kinder informiert, aber sie wissen nicht, wie sie ihre Rechte umsetzen können. „Mein persönlicher Eindruck ist, dass dies lebendiger gestaltet werden kann.“ „Nur wer seine Rechte kennt, kann diese auch einfordern. Daher empfehlen wir beispielsweise Kinderrechte als Bestand- teil in den Schullehrplänen zu integrieren“, sagt Daniela Rump. Ebenso fordert der Kinderschutzbund die Implementierung von Lehrangeboten zur Thematik Kinder- und Jugendschutz sowie Kinder- und Jugendrechte an Hochschulen und Univer- sitäten in Niedersachsen. „Insgesamt sollten wir die Rechte des Kindes – nach der UN Konvention – so bekannt wie mög- lich machen.“ Kinder in Not können telefonisch unter der Nummer 116111 bundesweit, kostenlos und anonym Lösungen für kleine und große Sorgen erhalten. Alle Informationen und die UN-Kon- vention über die Rechte der Kinder im Wortlaut gibt es auf www.kinderrechte.de . Thomas Wübker

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